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Thomas Quasthoff
im PONS

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Für Freunde und für Santa Cruz
Kneipen-Konzert des Bass-Baritons Thomas Quasthoff

Artikel aus der Landeszeitung Lüneburg vom 18.07.05
Thomas Quasthoff im PONS
Thomas Quasthoff, weltberühmter Bass-Bariton, ist auch ein bewegender Jazz-Interpret. Im "Pons" wurde er von dem Pianisten Daniel Wahren (im Bild rechts) begleitet. Foto: t&w

ff Lüneburg. Er sagt es immer wieder: "Ich freue mich". Thomas Quasthoff sitzt am Stint bei Zigaretten und Alsterwasser, genießt die Abendsonne und plaudert mit Kumpels. Zu ihnen gehört der Lüneburger Dr. Clemens Luhmann, seit zehn Jahren Freund und Arzt des weltberühmten Bass-Baritons.
Auch schon ewig und drei Tage ist es her, dass ihn Luhmann nach Lüneburg eingeladen hat, zum Konzert im "Pons". Nun klappt es endlich, und weil es eben eine familiäre, geschlossene Gesellschaft bleiben sollte, durfte nichts angekündigt werden. So kam es, dass der größte Name des Lüneburger Konzertjahres auf keinem Plakat, in keiner Zeitung zu lesen war.

Thomas Quasthoff, 1959 in Hildesheim geboren, zählt zu den besten und erfolgreichsten Sängern der Welt. Zwei Grammys hat er gerade erhalten, die Liste der Orchester und Dirigenten, mit denen er auftrat, von Claudio Abbado bis Sir Simon Rattle, liest sich wie ein "who is who". Aber heute Abend ist einmal nicht die Berliner Philharmonie, sondern das Pons seine Bühne, nicht Opernarien sondern Jazz-Standards bilden das Programm, Pianist Daniel Wahren wird ihn in der Enge der Kneipe begleiten. Es ist Quasthoffs zweiter Lüneburg-Besuch, 1994 sang er den "Elias" in St. Johannis.

Sich selbst hat Thomas Quasthoff einmal so beschrieben: "1,34 Meter groß, kurze Arme, sieben Finger -- vier rechts, drei links --, großer, relativ wohlgeformter Kopf, braune Augen, ausgeprägte Lippen; Beruf: Sänger". Berichte über den contergangeschädigten Künstler sind immer auch Berichte über sein Handicap, seine "Trotzdem"-Karriere, die damit begann, dass er an der Musikhochschule Hannover nicht Gesang studieren durfte, weil er nicht Klavier spielen könne.

Das hat ihn nicht bitter, sondern eher bollerig gemacht; seit 1996 ist er selbst Professur für Gesang, in Detmold. "Dort lernte ich den Clemens kennen, er hat in den Innereien seiner Patienten herumgeprokelt und ich in denen meiner Gesangsschüler, nur ohne Narkose."

Ist ihm der Jazz eine Ausgleichsübung zur Klassik ? "Ach was", sagt Thomas Quasthoff, "das darf man nicht so intellektualisieren. Mir macht das Spaß". Gesang ist Gesang -- Punkt. Im übrigen hatte er schon vor der Klassik mit dem Jazz angefangen, auch mal eine Jazz-CD aufgenommen, und nächstes Jahr steht ein gemeinsames Album mit Till Brönner auf dem Programm.

Für heute Abend hat sich Thomas Quasthoff Jazz-Klassiker aufs Pult gelegt: Satin Doll und Autumn Leaves zum Beispiel, Love Me Tender, den Basin' Street Blues und My Way. Aber vorher gibt er den Helmut Kohl, die Stimme verblüffend echt -- "Der Mond ist aufgegangen" als Textversion in der typisch verquasteten Art des Politikers.

Thomas Quasthoff begeistert auch im Jazz, trifft natürlich alle Nuancen, alle Stimmen, Stimmungen. Zwischendurch zischelt er ein Jazzbesen-Drum-Solo, lässt sich -- "für das Yves-Montand-Feeling" -- eine Zigarette anstecken, improvisiert eine Klangcollage auf Blues-Basis, nennt das Ganze "Im Bier ertrunken", bittet sein Publikum, auf den unbetonten Zählzeiten mitzuschnippsen -- "wer auf der Eins schnippst, den schmeiß' ich raus". Nicht nötig, es klappt wunderbar.

Es geht um Spaß, aber auch um Geld: Clemens Luhmann wirbt für ein Hilfsprojekt in dem Dorf Santa Cruz (Guatemala), für Kinder, denen der Weg zur Schule geebnet werden soll, für eine Klinik. Dorthin gehen die Erlöse des Abends, Luhmann kennt Santa Cruz seit langem, "die Spenden verschwinden nicht in der Bürokratie", verspricht er.

Thomas Quasthoff, dessen Weg ebenfalls steinig war und es auch heute wohl noch ist, hat eine Vorstellung vom Alter: "Mit Clemens bei einem Glas Rotwein in der Sonne sitzen -- und es ist völlig egal, wer wessen Zähne im Mund hat".

Sehen Sie sich hier die Bilder des Abends an

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